Chronik des Gebirgstrachtenvereins D’Grenzlandler

Nach mündlicher Überlieferung des am 16.03.1992 verstorbenen fast 90 jährigen Ehrenvorsitzenden Heinrich Bonnert, trafen sich bereits im Mai 1920 in der damaligen Gastwirtschaft „Zum Ochsen“ junge Burschen des Ortes in der Absicht einen Verein zu gründen, deren Mitglieder wandern und musizieren wollten. Noch bis Ende Juli des gleichen Jahres wiederholten sich diesbezügliche Zusammenkünfte, bis endlich am 04. August 1920, was nach vorliegendem Originalprotokoll zu beweisen ist, die Gründungsversammlung stattfand und die Wander- und Musikfreunde den Wanderklub „Fidelio“ aus der Taufe hoben.

Von den damals 25 Mitgliedern (21 Männer und 4 Frauen) wurde Heinrich Bensing zum 1. Vorsitzenden gewählt. Ihm folgten vom 25.04.1925 bis 04.01.1927 Michael Gast und vom 05.01.1927 bis 20.09.1932 Franz Geibig.

Wandern und Musizieren mit Streich- und Zupfinstrumenten war das Hauptanliegen der Klubmitglieder. Sie erwanderten Spessart, Odenwald und Vogelsberg mit Musik und Gesang. Dabei wurde einheitliche Wanderkleidung getragen und ein Wimpel mitgeführt. Nach der Überwindung des Inflationsjahres 1923, in welchem bei Neueintritt ein Eintrittsgeld von 2.000,– M und ab April 1923 ein Monatsbeitrag von 500,– M zu zahlen war, begann am 5. Februar 1924 eine Neubelebung der Vereinsarbeit.

So wurde zu diesem Zeitpunkt zusätzlich noch ein gemischter Chor, genannt das „Klübchen“ unter dem Dirigenten Michael Gast gegründet. Es folgten Jahre positiver Entwicklung und außer Musizieren und Wandern spielte man leidenschaftlich gerne Theater. Es waren meist oberbayerische Heimatstücke, bei deren Aufführung von einem Mitwirkenden immer wieder geplattelt werden musste. Da aber in den eigenen Reihen kein Könner dieses Faches vorhanden war, musste stets ein fremder Akteur gegen Honorar für diese Rolle verpflichtet werden, was nicht zum Vorteil der Vereinskasse war.

So reifte im Jahr 1929 der Gedanke, dass Mitglieder das Platteln erlernen sollen. Ein Schuhplattler-Lehrer wurde per Zeitungsinserat gesucht. Trachtenkamerad Heßberger aus Großwelzheim übernahm diese Aufgabe. Mehr und mehr machte sich auch der Wunsch breit, sich der Pflege und Erhaltung einer Gebirgstracht zu widmen.

In diesem Zusammenhang wurden freundschaftliche Beziehungen zum Trachtenverein „D‘ Oberlandler“ Schweinheim, der bereits im Jahre 1910 gegründet wurde, gesucht und auch gefunden. Um sich aber ganz der Trachtenbewegung zuwenden zu können, waren die vom zuständigen Trachtenbund gestellten Bedingungen zu erfüllen.

Unter Aufbringung beachtlicher finanzieller Mittel, legten sich die Klubmitglieder die original Miesbacher Gebirgstracht zu, suchten eine neue Vereinsgaststätte, die über einen entsprechenden Übungsraum verfügte und es wurde beschlossen, dass neue Mitglieder nur aufgenommen werden, wenn diese gewillt sind, das Platteln zu erlernen. Eine Harmonika wurde gekauft, die vom Trapp’e Karl meisterlich gespielt wurde und der Müller Heinrich beherrschte einmalig gut das Zitherspiel.

 

Am 19. August 1931 erfolgte der Beschluss, dem Trachtenbund beizutreten. Die Aufnahme des Vereins in den Rhein-Main-Gau der Heimat- und Volkstrachtenvereine mit Sitz in Frankfurt am Main wurde mit dem 1. Oktober 1931 vollzogen. Am 7. Oktober 1931 erfolgte der Namenswechsel. Der Wanderklub „Fidelio“ war nun der Gebirgstrachten Erhaltungsverein „D‘ Grenzlandler“ wobei die bayrisch-hessische Grenzlage für die neue Namensgebung mitbestimmend war.

 

Unter der Leitung des am 21. September 1932 neu gewählten 1. Vorsitzenden Heinrich Bonnert, der im übrigen einer der eifrigsten Initiatoren für die Verwirklichung des Trachtengedankens war, machten sich die Hörsteiner „Trachtler“ einen guten Namen.

Leider endete die bis dahin so erfolgreiche Arbeit gegen Ende 1937, da die „Grenzlandler“ nicht gewillt waren, sich den von den damaligen Machthabern geforderten neuen Bedingungen zu unterwerfen.

Erst im Jahre 1947, genau am 17. Dezember, nach Beendigung des 2. Weltkrieges 1939 – 1945 und dem Zusammenbruch des 3. Reichs, rief „Alttrachtler“ Heinrich Bonnert die Getreuen der Trachtenbewegung wieder zusammen und alle waren bereit, eine Neubeginn zu wagen. Der Zuspruch war erfreulicherweise gut; viele junge Leute schlossen sich den Trachtlern an, eifrig und intensiv wurde wieder geprobt, die noch vorhandenen Trachten aus Truhen und Schränken geholt und Neuanschaffungen vorgenommen. Trachtenträger, Tänzer und Plattler hatten bald wieder ein Ansehen wie in den besten Tagen des Vereins erreicht. Dies blieb auch den Verantwortlichen des Rhein-Main-Gaues nicht verborgen und so erhielten die „Grenzlandler“ schon 1950 die Durchführung des Gaufestes übertragen.

1952 war es dann soweit, dass sich der Verein eine Fahne zulegte und feierte vom 17. – 19. Mai die entsprechende Festivität hierzu. Als Fahnenmutter fungierte die aktive Trachtenträgerin Toni Kopp.

 

Weitere nennenswerte Veranstaltungen, die von den Trachtlern jeweils mit gutem Erfolg durchgeführt wurden, waren:

 

1957   Trachten- und Heimatfest

1960   40jähriges Gründungsfest

1965   45jähriges Gründungsfest mit Gaufest

1970   50jähriges Gründungsfest mit Gaufest und Bundestrachtentreffen

1976   55jähriges Gründungsfest mit Gau-Jugend-Tag

1980   60jähriges Gründungsfest

1983   1. Aufstellung des Maibaums mit Frühlingsfest im Zelt

1985   65jähriges Gründungsfest mit großem Bayrischen Heimat- und Gebirgstrachtenabend

1986   Jugendtage 1986

ARGE (Arbeitsgemeinschaft)-Jugendtag 86 der Unterfränkischen

Trachtenjugend und Gau-Jugend-Tag des Rhein-Main-Gaues

1990   70 jähriges Gründungsfest

Kanadisch-Deutscher Plattlerabend

1992   Vereinsausflug nach Kanada

1995   75 jähriges Gründungsfest;

Highlight: Konzert der „Kastelruther Spatzen“

2000   80 jähriges Gründungsfest, Gau-Jugend-Tag des Rhein-Main-Gaues

2005   85 jähriges Gründungsfest

2007   Teilnahme der Jugend mit der Bezirksjugendgruppe des Rhein-Main-Gaues am Kultur und Brauchtumswochenende der

bayerischen Trachtenjugend 2007 in Altusried

2010   90 jähriges Gründungsfest

 

Die Grenzlandler sind aber auch dafür bekannt, Vereine und sonstige Institutionen bei der Gestaltung von Festlichkeiten das jeweilige Programm mit ihren Darbietungen zu bereichern und zu verschönern. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die „Hörsteiner Plattler“ – wie sie allgemein genannt werden – auch dafür bekannt sind, selbst zünftige Feste zu feiern und immer wieder neue Ideen für Festivitäten in die Tat umsetzen. So ist es ein Verdienst des Vereins dass nach der Idee des damalig 1. Vorsitzenden, Diethard Brehm, seit 1983 zu Beginn des Wonnemonats Mai ein Maibaum, der ca. 20 Meter hoch und mit den Emblemen der einzelnen Ortsvereine, sowie mit dem Wappen des ehemalig selbständigen Marktes Hörstein und der Stadt Alzenau geschmückt ist, zur Freude aller Bürger sichtbar an der Bushaltestelle in der Dettinger Straße aufgestellt wird. Das zu diesem Tage jeweils gefeierte Frühlingsfest im Zelt an der Dettinger Straße fand allgemeine Beliebtheit und wurde von vielen Gästen aus nah und fern besucht. Auch die in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Gesangverein „Sängerlust“ veranstalteten Maskenbälle fanden stets Anklang und Zuspruch. Ansonsten bieten die internen Veranstaltungen wie Vorweihnachtsfeier – in den letzten Jahren von der Jugendgruppe mitgestaltet – Winterwanderung und Vereinsausflug und „Klein-Oktober-Fest“ anlässlich des Einholen des Maibaums sowie die Vereinsabende, den Mitgliedern erlebnisreiche, frohe und unterhaltsame Stunden mit den seit Jahrzehnten dem Verein angehörenden Stimmungsmachern und Harmonikaspielern Walter Schäfer und Sebastian Trapp.

 

Übungsabende, Mitgliederzusammenkünfte sowie Vereinsversammlungen finden im „Alten Backhaus“, das auf Initiative von Anton Büttner (1. Vorsitzender von 1955 – 1962) seit dem 28. September 1961 vom Markt Hörstein dem Verein pachtweise überlassen wurde, statt. In Eigenarbeit gestaltete man das Gebäude in den Jahren 1962 und 1963 um. Am 1. Januar 1964 konnte dann die 1. Versammlung unter dem damaligen 1. Vorsitzenden Oswald Wüst im „eigenen“ Vereinsheim abgehalten werden. Ein Erweiterungsbau, unter der technischen Leitung des ehemaligen 1. Vorsitzenden der Jahre 1966 – 1978, Adolf Kern entstand in den Jahren 1986 bis 1989.

 

Aktivität und Kreativität sind Worte, die bei den „Grenzlandlern“ einen hohen Stellenwert einnehmen, auch sind sie, wie alle Trachtler, Idealisten, die sich nach dem Wahlspruch richten:

 

 

TREU DER SITT – TREU DER TRACHT –

TREU DER HEIMAT –

TREU DEM GUTEN ALTEN BRAUCH!